NOVUS (Noten oder Verbalbeurteilung: Unterrichtsorganisation und Sanktionsverhalten von Lehrkräften in Ost- und Westberliner Grundschulen)

In dem gemeinsam mit Matthea Wagener durchgeführten Projekt NOVUS (Noten oder Verbalbeurteilung: Unterrichtsorganisation und Sanktionsverhalten von Lehrkräften in Ost- und Westberliner Grundschulen) wurde die Frage untersucht , ob Lehrerinnen, die die verbale Beurteilung bevorzugen, eine stärkere Reformorientierung aufweisen und einen anderen Unterricht praktizieren als Lehrerinnen, die sich für Notengebung aussprechen. Untersucht wurden folgende Bereiche:

a)     Unterrichtsorganisation: Wie gestalten Lehrkräfte ihren Unterricht? Inwieweit gehen sie schülerorientiert vor?

b)    Sanktionsverhalten der Lehrkräfte: Auf welche Weise erfolgen Rückmeldungen über Lernerfolg und -mißerfolg? Wie ist die Bezugsnormorientierung (soziale, individuelle oder sachliche Bezugsnorm)?.

c)     Klassenraumgestaltung: Wie gestalten Lehrkräfte das Klassenzimmer?

Die Stichprobe des Projekts NOVUS besteht aus einer Teilstichprobe des NOVARA-Projekts, und zwar aus 14 dritten Grundschulklassen, je 7 aus Ost- und Westberlin. Insgesamt wurden 138 Unterrichtsstunden in den Lernbereichen Deutsch, Mathematik, Sachunterricht und Bildende Kunst beobachtet, 64 im Osten und 74 im Westen Berlins. Die Unterrichtsstunden wurden von jeweils zwei Unterrichtsbeobachterinnen protokolliert. Das Leistungsrückmeldeverhalten der LehrerInnen wurde in Anlehnung an Lißmann/Pätzold erhoben, ergänzt um eine Bestimmung der Bezugsnormorientierung. Ferner wurde der Bogen zur retrospektiven Unterrichtsbeschreibung von Andreas Helmke u.a. (SCHOLASTIK-Untersuchung 1993) in verkürzter Form eingesetzt.

Erste Ergebnisse finden sich bei Valtin/Wagener (1999). Nur in Bezug auf drei der fünf Merkmalskategorien, die schülerorientierte Unterrichtsgestaltung charakterisieren, ergaben sich signifikante Unterschiede: Lehrerinnen mit Präferenz für Verbalbeurteilungen zeigten in ihrem Unterricht einen häufigeren Anteil schülerorientierter vs. lehrerzentrierter Merkmale, und zwar: Wochenplan und Freiarbeit, Gruppenarbeit sowie Selbstkontrolle. Die Ergebnisse  der "Retrospektiven Unterrichtsbeschreibung" bestätigen dies: Unterschiede zeigten sich bei 5 der 14 Items: Einschätzung der "Schülerzentriertheit", "Variabilität von Unterrichtsformen", "Individualisierung", "Akzeptanz/Privatbereich" und "Thematisierung von Gefühlen". In Bezug auf verbale Leistungsrückmeldungen sowie Bezugsnormorientierung ergaben sich keine Unterschiede.

Valtin, R. & Wagener, M.: Unterrichtsorganisation, Sanktionsverhalten und Klassenraumgestaltung von Ost- und Westberliner Grundschullehrerinnen. Erste Ergebnisse aus dem Projekt NOVUS. In: Merkens, H./ Wessel, A. (Hrsg.): Schuluntersuchung in den neuen Bundesländern. FU Berlin 1999, S. 141-156.