Rudolf-Bahro-Symposium
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Natur - Kultur - Mensch Sozialökologische Innovationen für eine zukunftsfähige Lebensweise Symposium aus Anlass des 70. Geburtstages von Rudolf Bahro am 18./19. November 2005 in der Humboldt-Universität zu Berlin
Samstag, 19. November 2005 Thomas Schubert In meinem Beitrag thematisiere ich einen heute kaum beachteten aber umso wichtigeren Aspekt in der Theorieentwicklung und politischen Praxis der drei wohl bekanntesten marxistischen Oppositionellen in der DDR. Ich spreche von deren ökologischer Neuorientierung im Selbstverständnis und der politischen Praxis. Von einer ursprünglich unkritisch, parteikonformen und pro-sowjetischen Einstellung ausgehend, trat Havemann seit den frühen 1960er Jahren offen für einen partizipatorischen und demokratischen Sozialismus ein. Bahro arbeitete seit 1968 zehn Jahre lang konspirativ an seinem Buch „Die Alternative“ (1977), einer systematischen Kritik am realen Sozialismus. Harichs oppositionelle Entwicklung umfasst einen längeren Zeitraum, ist reicher an Widersprüchen und verläuft - zumindest phasenweise - in entgegen gesetzte Richtungen. Die Entwicklung dieser drei Konzepte politischer Opposition sowie ihre Durchführung sollten nicht nur hinsichtlich ihrer politischen oder sozialen Erstreckung befragt werden, z. B. in der Thematisierung der Begriffe von Herrschaft, Autorität, Freiheit oder der gesellschaftlichen Funktion von Philosophie und Wissenschaft. Aufs Neue in den Blick zu nehmen ist die Erweiterung des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft um die Begriffe Natur und Umwelt seit dem Bekanntwerden des Berichts an den Club of Rome „Grenzen des Wachstums“ von 1972. Während im Sozialismus Krisen in der Regel durch bürokratische, stalinistische oder sonstige Verfälschungen eines authentischen Marxismus verursacht schienen, stellte die Diskussion um eine globale ökologische Krise seit Anfang der 1970er Jahre eine gänzlich neue Herausforderung dar - insbesondere für Intellektuelle, die sich als historische Materialisten verstehen und an die Objektivität wissenschaftlicher Erkenntnisse glauben. Infolgedessen kam es zu einer Ökologisierung des gesellschaftskritischen Denkens bei Harich, Havemann und Bahro sowie in der gesamten späteren Oppositionsbewegung, die sich zu diesem Zeitpunkt in der DDR bilden konnte. Alle drei Regimekritiker hatten sich Mitte der 70er Jahre endgültig von Propheten des Sieges des Sozialismus zu Warnern vor dem Niedergang der sozialistischen wie der kapitalistischen Industriegesellschaft gewandelt. Eine systematische Darstellung dieser Umkodierung des oppositionellen Diskurses in der DDR steht bislang aus. Ebenso muss der Frage nachgegangen werden, ob eine kritische Anknüpfung an das sozial-ökologische Denken in der DDR-Opposition heute noch von Interesse sein könnte. Der Beitrag ist als ein Schritt in diese Richtung zu verstehen. |
| letzte Aktualisierung am 11. November 2005 / Rudolf-Bahro-Archiv |