Rudolf-Bahro-Symposium
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Natur - Kultur - Mensch Sozialökologische Innovationen für eine zukunftsfähige Lebensweise Symposium aus Anlass des 70. Geburtstages von Rudolf Bahro am 18./19. November 2005 in der Humboldt-Universität zu Berlin
Samstag, 19. November 2005 Prof. Dr. Renate Reschke 1992 hat Bahro für sich und Heise die lebenslange, intensive Berschäftigung mit Hölderlin hervorgehoben. Er war für ihr Denken konstitutiv. Zuerst und zuletzt also Hölderlin hat er einen Beitrag getitelt. Die Lektüre ihrer Texte und die Kenntnis ihrer Positionen zeigt, Hölderlin war an prominenten Stellen, wo es ihnen um philosophische Klarheit, alternative Kultur-, Gesellschafts- und Wissen(schaft)skonzepte ging, Mittlerfigur und Impulsgeber zugleich. Er war ihnen politischer Denker und Poet im weitesten Sinne. Hölderlins Kritik am ‚Klugheitsjahrhundert', zu dem Aufklärung verkommen war, kam ihnen entgegen wie sein dringender Rat, aus diesem Jahrhundert zu gehen in eine andere Möglichkeit. Diese war zunächst für beide die Alternative sozialistischer Gesellschaft und Kultur; der Druck real-sozialistischer und ideologischer Verkrustungen, führte zu kritischer Bilanzierung und Neusperspektivierung. Bahro entwickelte eine anthropologische, ökopaxiale und spirituelle Alternative jenseits des großen realen Sich-Arrangierens und der ideologischen Affirmationen und Heilsversprechen von Kapitalismus und Sozialismus, Heise suchte in weltgeschichtlicher und ästhetischer Dimensionierung von Kultur und Gesellschaft die Alternative zur unerträglichen Verkleinerung und Provinzialisierung des sozialistischen Ideals, an dem er, durch alle existentiell-bedrohlichen Katastrophen festgehalten hat. Hölderlin gab ihm die Kraft resignativer Behauptung, ein ‚Narr eigener Vernunftromantik' zu sein. Bahros ‚Logik der Rettung' wäre er nicht gefolgt. Wo Hölderlin für Bahro das Vorbild spiritualistischer, meditativer, quasi-religiöser Umkehr gab, weil er die (mit den jungen Hegel und Schelling) gemeinsame Formel von der ‚unsichtbaren Kirche' notorisch machte, entwickelte Heise, am Bild des scheiternden Empedokles, eine ebenso widersprüchliche wie stringente ‚Opfer'-Theorie, mit der er sich der Hypertrophierung des Subjekts widersetzte. Für Heise hat Bahro den Gegensatz Hölderlin versus Hegel als kennzeichnend gesehen, den er auch für sich als wesentlichen Ausganspunkt reklamierte. Während aber Heise die Traditionslinie Hölderlin – Marx nicht wesentlich überschritten hat, ging Bahro weiter. In eine Richtung, die für Heise außerhalb seiner Denkperspektive lag. Bahro hat Nietzsche, seine Kulturkritik und dionysische Philosophie, entdeckt für eine spirituelle kommunitäre Subjekt- und Kulturperspektive. |
| letzte Aktualisierung am 20. Oktober 2005 / Rudolf-Bahro-Archiv |