Die letzte Woche habe ich mich mal ganz und gar der prosaischen Literatur gewidmet. Meine Erfahrungen mögen dem Ein oder Anderen, gerade wenn er Interesse auf dem SF-Gebiet hat, als Kauf- / Leseempfehlung dienen.

Einer dieser typischen neumodischen Science-Fiction Romane. Man nehme ein Deus ex machina von dem die ganze Welt betroffen ist, in diesem Fall eine riesige Blase, die sich um die Erde legt und die Sterne am Himmel verschwinden lässt, und schildert die Vorgänge aus der sicht einiger einzelner Personen, die mehr oder weniger an der Aufklärung dieses Phänomens beteiligt sind. Wilson hat natürlich erzählerisches Talent und konstruiert seine Figuren sehr bedacht, um auf verschiedene sozio-kulturelle und philosophisch bzw. theologische Aspekte seiner Geschichte einzugehen. Das ganze ist dann zwar streckenweise doch etwas flach, aber durchaus Unterhaltsam. Vorallem die vielzähligen recht überaschenden und intersannten Wendungen in der Geschichte, die sich für die Protagonisten wie auch für den Leser immer rätselhafter erweist, machen dieses Buch zu einer sehr vergnügenden Angelegenheit, welche zurecht mit dem 2006 Hugo-Award “Bester Roman des Jahres” ausgezeichnet wurde.
Heyne – 555 Seiten – 8,95 €

Nachfolgeroman zu Spin, handwerklich genauso brilliant wie der erste Teil. Einfach ein reinstes Vergnügen. Für alle diejenigen, den Spin gefallen hat, bedenkelos zu empfehlen.
Heyne – 397 Seiten – 8,95 €

Dieses Buch ist anders. Das Erstlingswerk des Schotten ist definitiv anspruchsvolle Literatur, nichts was man mal eben so liest. Die ersten 100 Seiten sind irgendwie einfach nur zäh, zumal sich mir überhaupt nicht erschlossen hat, worum es eigentlich geht. Das ganze wird auch nicht unbedingt dadurch einfacher, dass sich immer wieder fragmente klassischer sumerischer Texte mit der eigentlichen Geschichte, welche parallel in unterschiedlichen Realitäten zu unterschiedlichen Zeiten verläuft, vermischen. Weiterhin sind die einzelnen Charaktere eher Archetypen im Jungschen Sinne als einzelne Individuuen. Irgendwie alles extrem anstrengend, aber nach 100 Seiten hatte ich den Rhythmus gefunden, und tatsächlich kam es mir sogar so vor als ob sich sowas wie eine Story durchblicken lässt. Viel interesannter allerdings waren diese Charaktere und diese verrückten Parallelwelten. Doch um das Gesamtkunstwerk zu genießen, muss man immer wieder sprachlich langweilige Passagen ertragen. Sehr komisch, den an anderen Stellen sprudelt es nur so von Sprachwitz. Tatsächlich ist das Buch sehr eigen, mir ist sowas noch nicht bisher noch nicht unter die Finger gekommen, es aber in den literarischen Himmel zu heben wäre meineserachtens falsch, denn leider merkt man ihm irgendwie an, dass es ein Erstling ist.
Heyne – 589 Seiten – 8,95 €
Von der ersten Seite an fühlte ich mich an Huxleys “Brave New World” errinnert. Eine dunkle Realität, die von einem Computer regiert wird, in der Menschen kategorisiert werden und nichts dem Zufall überlassen wird. Frankes nüchterne Sprache und die Ideologie dieses Romans gefallen mir persönlich sehr gut. Meines Erachtens keine Kopie, sondern eine Steigerung von Huxleys düsterer Zukunftsvision. Als einen Hauptunterschied würde ich es sehen, dass in diesem Roman der Hauptheld einer niedrigen Kategorie angehört. Er geht einer pseudo-beruflichen Tätigkeit nach, was man durch die jeweiligen als Zäsur zwischen den Handlungsabschnitten dienenden quasi-dokumentarischen Zitate, nach einigen Seiten des Buches erfährt. In dieser Tätigkeit wird ihm vorgegaukelt, dass er die Menschen niedriger Kategorien überprüfe und neu Einstufe. Die Handlung wird konsequent aus seiner Perspektive erzählt und das Verwirrspiel beginnt damit, dass er plötzlich vom Computer den Auftrag erhält, sich selbst zu Überprüfen.
Suhrkamp – 167 Seiten – antiquarisch ca. 5 €
Bei Frankes nüchternem Stil möchte man sich überhaupt wundern, dass es soetwas gibt, einen “psychelischen Franke”. Aber tatsächlich ist dieses Buch nicht nur ein Trip an den Rand des Sonnensystems und darüber Hinaus, sondern auch eine Reise an die Ränder des Bewustseins. Fast in einem Dickschen Szenario wähnt man sich, als die Crew der ersten Expedition die sich ausserhalb des Sonnensystems befindet auf einem Planeten (den es eigentlich garnicht geben sollte) landet, und dort eine Kaffemaschine ausgräbt. Definitv sehr unterhaltsam, auch wenn der Schluss doch etwas vorhersehbar ist.
Suhrkamp – 197 Seiten – antiquarisch ca. 5 €