11.03.2009 19:50 Uhr

Synchronisation zwischen Notebook und Desktop

Ein Notebook ist, schon aus ergonomischen Gründen, für mich kein vollständiger Ersatz meines Desktop-PCs. Allerdings soll er dies eben genau in dem Moment werden, wenn ich meine Wohnung verlassen habe. Dies gelingt jedoch nur, wenn sämtliche kritische Daten (nicht kritisch sind für mich z.B. MP3 oder Filmsammlung) in genau der Version vorliegen, wie ich sie als letztes auf dem Desktop bearbeitet habe. Änderungen, die ich nun auf dem Laptop an Dateien vornehme (z.B. auch neues Lesezeichen im Webbrowser), müssen sich möglichst einfach wieder auf den Desktop überspielen lassen. Lösche ich eine Datei unterwegs, so soll Sie auch automatisch auf dem Desktop gelöscht werden. Ferner kann es natürlich sein, dass ich eine Datei vor dem nächsten Synchronisationsvorgang sowohl auf Desktoprechner als auch auf dem Notebook geändert habe. Hier muss ich natürlich bei der Synchronisation darauf hingewiesen werden und sollte die Wahl haben welche Datei nun als die “Richtige” auf beiden System übrigbleibt. Natürlich können auch beide Dateien Berechtigung haben, dann sollte es möglich sein diese beiden ineinander zu einer neuen Datei zu verschmelzen (dazu gibt es unter Linux beispielsweise das Werkzeug merge).

Deartiges könnte man nun natürlich, und das hat ich auch ursprünglich vor, mit rsync realisieren. Eine Beispielhafte Implementierung hat hier Thomas Hildmann von der TU-Berlin geschaffen (Link zum PDF), welche jedoch in für mich kritischen Punkten keine akzeptable Lösung darstellt. Hier wird bei gleichzeitiger Änderung einer Datei auf Desktop und Notebook ohne Nachfrage die Datei neueren Datums in jedem Falle jene älteren Datums ersetzen. Des Weiteren lässt sich eine Datei nur permanent löschen, wenn Sie zuvor manuell auf beiden System entfernt wurde. Der Autor macht allerdings darauf aufmerksam, dass diese Grenzen möglicherweise von dem Programm Unison überwunden werden können.

Unison kann ich wirklich ohne Bedenken empfehlen. Sämtliche von mich an ein Synchronisationsprogramm gestellten Anforderung erfüllt dieses Meisterhaft. Dank der hervorragenden Dokumentation versteht man sehr schnell wie man das Programm seinen Bedürfnissen anpassen kann. Für Konsolenmuffel gibt es weiterhin auch noch ein (optionales), auf GTK2 aufbauendes, grafisches Interface, jedoch hat man damit nur Zugriff auf rudimentäre Funktionen. Es empfiehlt sich manuell eine Konfigurationsdatei anzulegen, in der unter anderem die zu synchronisierenden Pfade und Ausschlussmuster festgelegt sind. Letzteres nutze ich beispielsweise um zwar mein Seamonkey-Profil komplett zu synchronisieren, sämtliche Cachedateien in diesen Ordnern können aber getrost ignoriert werden. Hat man diese angelegt, kann man ruhigen Gewissens die grafische Oberfläche zum synchronisieren verweden. Hier kann man vor der eigentlichen Synchronisation sich anschauen was eigentlich passiert und im Konfliktfall (Änderung einer Datei auf Notebook und Desktop) kann man die Entscheidung zwischen den Dateien oder gar verschmelzen treffen. Dies kann man auch tun, wenn man mit dem Vorschlag des Programms mal nicht konform gehen sollte (z.B. wenn man das während der Zugfahrt bearbeitete Kapitel zuhause doch lieber wieder in der ursprünglichen Version auf beiden Rechnern vorliegen hätte). Erst nach diesem Abgleich, der im Normalfall eigentlich keiner Interaktion mit dem Benutzer bedarf, folgt einem Klick auf “Go” der eigentliche Synchronisationsvorgang. Dieser hat einen rsync-ähnlichen Algorithmus als Basis, d.h. es werden nur Änderungen an Dateien über die Leitung (bzw. das WLAN) übertragen, was natürlich einen entsprechenden Geschwindigkeitsvorteil mit sich bringt.

Unsion funktioniert auf den gängigen Betriebssystemen (Win, Mac, <*>nix), jedoch kommt es zu Problemen, falls man Dateien die keine ASCII-Zeichen im Dateinamen enthalten zwischen unterschiedlichen Betriebssystemvarianten synchroniseren muss. Für all jene, die dies nicht müssen ist Unison allerdings die erste Wahl wenn es um die Synchronisation von Daten auf verschiedenen Computerarbeitsplätzen geht.

Mehr Infos und Download: http://www.cis.upenn.edu/%7Ebcpierce/unison/index.html