24.03.2008 04:57 Uhr

Linux Mint 4.0 KDE Community Edition - kurz angetestet

Ich habe heute bei einem Freund Linux Mint installiert. Der Gute ist schon seit 2 Jahren Linuxbenutzer, zuletzt openSUSE 10.2. Aber irgendwie war das System nicht so der Spaß auf seinem Rechner. Orginalzitat: “Lahm, Lahm und nochmal Lahm”. Der Grund dafür ist, dass die Leute bei Novell allen möglichen Kram in das System packen, den kein “Normalanwender” wirklich braucht und wenn man dann einen älteren Rechner mit nicht so dickem RAM und Prozessor hat, dann schaut man eben etwas dumm aus der Wäsche – so brauchte ein Systemstart bei ihm ca. 5 Minuten und nochmal ungefähr 3 Minuten musste man warten bevor Open Office einsatzbereit war. Der Witz bei der Sache ist der, dass die wirklich wichtigen Sachen für einen Endanwender bei openSUSE (Flash, DVD Playback, MP3 Playback) nur durch kompliziertere Kunstgriffe zu erledigen sind, die den meisten Otto-Normal-Computeranwender eher davon abhalten Linux zu installieren.

Durch den Linux Link Tech-Show Podcast wurde ich auf Linux Mint vor einiger Zeit aufmerksam gemacht, eine Linuxdistribution die gerade oben genannte Probleme adressiert. So beschlossen wir heute beide einfach mal auf einen Schuss ins Blaue eine Installation zu wagen. Da er in KDE geübt ist, entschieden wir uns für die KDE Community Edition.

Die Downloadmirror erwiesen sich alle 3 als sehr langsam (3 und mehr Stunden für die CD), so dass wir uns für den Torrent entschieden, mit dem die ca. 700 MB große ISO Datei in ca. 1 Stunde auf die Festplatte geladen war.

Der Installationsprozess ansich war sehr einfach – auf der Website ist sogar eine Anleitung zu finden, die beschreibt wie man ein bestehendes Home-Verzeichnis migrieren kann. Für einen derzeitigen Windowsbenutzer ist der Partitionsprozess meines Erachtens auch sehr simpel gestalltet, man kann einfach per Schieberegler festlegen wieviel Prozent seiner Festplatte man Linux geben möchte, und dann steht der Installation nichts mehr im Weg. Einziger Kritikpunkt den ich am Installationsprozess habe, ist das der Installer von einer LiveCD läuft, dass heißt das komplette System wird zuerst von einer CD in den RAM geladen, inklusive KDE-Desktop. Der Vorteil einer LiveCD ist natürlich, das man das ganze System wunderbar ausprobieren kann, ohne irgendetwas zu installieren. Der Haken bei der Sache ist jedoch, dass es eine ganze Weile dauert bevor alles von der CD geladen ist. Vorallem auf Rechnern die nicht so dick mit RAM bestückt sind, kann dies zu einer echten Geduldsprobe mutieren. Wenn die Installation dann aber erst einmal ins Rollen gekommen ist, geht es allerdings sehr sehr flott.

Noch flotter bootet das System. Nicht nur meine Kinnlade bewegte sich in Richtung Tischkannte, als nach weniger als 30 Sekunden der Login-Bildschirm erschien, nocheinmal solange dauert es dann bis zur vollständigen Einsatzbereitschaft von KDE. Flash im Browser funktioniert genauso wie MP3s anhören und DVDs abspielen auf Anhieb. Wie eingangs erwähnt, dass ist in der Linux Welt definitv nicht Standard!

Es fehlte allerdings OpenOffice, welches man aber mit einem sehr einfach gehaltenen Installationsprogramm und ein paar Klicks nachinstallieren konnte. Schönheitsfehler dabei war aber, dass die Icons bei OpenOffice nicht mitinstalliert wurden. Hier half ein Blick ins Forum auf der LinuxMint Website aber weiter – ein zusätzliches Paket muss mit einem schon etwas komplizierter aussehenden Paketmanager nachgerüstet werden, der Fehler soll in der nächsten Version von Linux Mint behoben sein. Auch die KDE-Integration von Firefox ist nicht standardmäßig aktiviert, was man bei einer KDE Community Edition aber erwarten würde. Hier ist schon etwas mehr Handarbeit notwendig, ein Neuling würde das sicherlich nicht auf Anhieb hinkriegen, wobei aber bemerkt sei, dass ein Neuling derartiges auch nicht unbedingt merken würde – allerdings hatte besagter Freund schon openSUSE am laufen und da ist die KDE-Integration aller Programme fast perfekt gelößt.

Weitere Programme die seinen Computeralltag ausmachen (XMMS und ein Radiotuner für Internetradio – die Wahl viel hier auf Tunapi) wurden nun noch mit dem einfachen Paketmanager installiert, kein Problem.

Etwas verwirrend könnten aber die 3 Paketmanager sein, die man im Systemmenü zu Gesicht bekommt. Sie spiegeln sowas wie die 3 Level des “Know-Hows” wieder, die man braucht um sie zu bedienen. Der Ansatz dahinter ist Prinzipiell gut gemeint und ich kann mir vorstellen, dass einige Neulinge auch gute Erfahrung mit dem “sich hocharbeiten” gemacht haben, aber wenn man schon weiß, was man eigentlich will, nur nicht womit man das erreichen kann, kann man etwas in Verwirrung geraten – zumindest war das bei mir der Fall.

Ein weiterer “Downer” war dann die anschließende Onlineaktuallisierung, die alle Pakete auf den neusten Stand gebracht hat. Dieser Prozess dauerte doch glatt mal 1 Stunde. Die Meldung “Bitte haben Sie einen Moment Geduld” erscheint mal wieder wie blanker Hohn.

Neben ein paar Punkten, die durchaus in zukünftigeren Versionen noch verbesserungswürdig sind, bleibt aber doch ein sehr positiver Gesamteindruck. Mein Freund jedenfalls meinte, das ich ihm “ein schönes Ostergeschenk” gemacht habe und er mit diesem Betriebssystem sicherlich viel mehr Spass haben wird, als mit openSUSE.