Erinnerung ist "in" - wie folgendes Zitat aus einer Rezension des online-Historiker-Dienstes
H-SOZ-U-KULT
vom 22. 6.2000 zeigt:
"An den Boersen blickt zur Zeit alles gebannt und konzentriert auf die
"neue Oekonomie" und die erhofften Gewinnmoeglichkeiten der Informationstechnologie.
Erfolge am Markt scheinen nur noch Unternehmen zu
haben, die wenigstens einen Hauch von Internet-Phantasie suggerieren.
In der Geschichtswissenschaft boomt
schon etwas laenger, aber manchmal durchaus genauso exzessiv, das Thema
"Erinnerung". Die Mechanismen
und Bedingungen, in denen das Alte ueberliefert wird; die Formen, wie
sich die Nachgeborenen ein Bild des
Vorhergehenden machen - das scheint die "new economy" Clios zu sein."
Manfred Hettling über: Edgar Wolfrum: Geschichtspolitik in der
Bundesrepublik Deutschland. Der Weg
zur bundesrepublikanischen Erinnerung 1948-1990, Darmstadt 1999.
Jetzt fragt sich nur noch, ob man mit "Erinnerung" ungeahnte Gewinne
einfährt, oder ob die spekulative Blase
irgendwann platzt und man sich wieder der realen Seite des Geschehens
zuwenden muß... Bleibt nur zu hoffen,
daß der Crash vorerst ausbleibt und der Boom noch ein bißchen
anhält!
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Unser Beitrag zur "new economy" der Geschichtswissenschaft ist jedenfalls der Ankündigung für das Kommentierte Vorlesungsverzeichnis SS 2000 zu entnehmen:
Projekttutorium "Kulturelles Gedächtnis und
Erinnerungspolitik"
Jochen Guckes und Jan Sternberg
Termin: Mi 16-18 Ort: DOR 24, 509 Beginn: 19. 4.2000
Exkursion nach Buchenwald (17./18. 6.2000)
Kommentar: Die jüngere Vergangenheit ist nicht vorbei. Ganz im Gegenteil, mit zunehmendem zeitlichen Abstand steht sie stärker denn je im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses: Mahnmal-Debatte, Wehrmachtsausstellung, Walser-Bubis-Kontroverse – die Liste ließe sich fortsetzen.
Nachdem wir uns im ersten Semester des Projekttutoriums anhand der Theorie des "Kulturellen Gedächtnisses" der Funktion der verschiedenen Erinnerungsdebatten und ihren Formen gewidmet haben, wird es in diesem Semester um Instrumentalisierung von Vergangenheit zu politischen Zwecken gehen. Identitätsstiftung im internationalen Vergleich gehört ebenso dazu wie der Kampf um die Definitionsmacht über die nationale Erinnerung, sei es in den Medien (Historikerstreit) oder in öffentlichen Gedenkstätten. Diesen Aspekt wollen wir vor Ort bei einer Exkursion nach Buchenwald (17./18. 6.2000) erkunden. Zum Abschluß sollen verschiedene Mittel und Instrumente der Erinnerungspolitik untersucht werden, von der "Volkspädagogik" über die Rolle der Wissenschaft bis hin zur Initiative von Bürgerinnen und Bürgern in Geschichtswerkstätten. Wie im ersten Semester soll die Theorie der Texte durch die Anschauung der Praxis im Berliner Raum verdeutlicht werden.
Das Projekttutorium baut auf die Ergebnisse aus dem Wintersemester auf, ist aber natürlich offen für alle interessierten Neuen.
Literatur: Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis. Schrift,
Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen,
München 1999; Tom Segev: Die siebte Million. Der Holocaust und
Israels Politik der Erinnerung, Reinbek 1995, Jane Kramer, "The Politics
of Memory", in: The New Yorker, 14. 8.1995, S. 48-65.
Als reinen Ablaufplan ohne Hintergrundtexte gibt es den Kurzplan (rtf)
Der Semesterplan soll auch die Funktion einer themenbezogenen Bibliographie
übernehmen. Daher haben wir die Literatur in mehrere Kategorien
eingeteilt: Texte sind allgemein verbindlich für die Sitzung
zu lesen und vorzubereiten.Die Rubrik Hintergrund enthält zusätzliche
Literatur, die der Vorbereitung der Experten oder dem Weiterlesen dienen
kann. Unter Ergänzung oder Zum Vergleich finden sich
weitere Informationen.
Sind bei einer Sitzung diese Unterscheidungen noch nicht vorgenommen,
dann steht die endgültige Auswahl noch nicht fest.
Die Leitfragen sollen, neben der Vorbereitung der einzelnen
Sitzungen, im Nachhinein als Gedächtnisstütze für die zentralen
Themen der einzelnen Sitzungen dienen. Sie bestehen in der Regel aus den
Fragen der ExpertInnen sowie aus ergänzenden Punkten aus dem Diskussionsverlauf
bzw. von Jan und Jochen.
Der Semesterplan und die Bibliographie in Kurztiteln:
1. Sitzung: 19. 4.2000: Einleitung und Rekapitulation der Arbeit des
letzten Semesters
Einführung, Abgrenzung des Themas, Ziele und Methoden
Vorstellung der einzelnen gesellschaftlichen Debatten, Ablaufplanung
BLOCK 1:
Identitätsstiftung und Traditionsbildung im Vergleich:
Instrumentalisierung von Erinnerung
2. Sitzung: 26. 4.2000: Theorie: Definitionen und Beispiel
*Geschichtspolitik-Vergangenheitspolitik-Erinnerungspolitik
*Divided Memory in Deutschland als Beispiel
Experte: Jan
Text: Edgar Wolfrum: "Geschichtspolitik in der Bundesrepublik
Deutschland 1949-1989. Phasen und Kontroversen"
Hintergrund: Herfried Münkler: "Antifaschismus und antifaschistischer
Widerstand als politischer Gründungsmythos der DDR"
Ergänzung: Jeffrey Herf: "Legacies of Divided Memory",
Olaf Groehler: "Der Umgang mit dem Holocaust in der DDR", Angelika Timm:
"Der 9. November 1938 in der politischen Kultur der DDR", Mary Fulbrook:
"Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und 'innere Einheit' - ein Widerspruch?",
Sigrid Meuschel: "Legitimationsstrategien in der DDR und in der Bundesrepublik",
Rolf Wernstedt: "Vermittlungsprobleme der doppelten Geschichte in Schule
und politischer Bildung", Peter Steinbach: "Im Schatten des Dritten Reiches.
Die beiden deutschen Staaten als postnationalsozialistische Systeme im
Zugriff historisch-politikwissenschaftlicher Forschung", Eckhard Jesse:
"Doppelte Vergangenheitsbewältigung in Deutschland. Ein Problem der
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft", Moshe Zimmermann: "Die Erinnerung
an Nationalsozialismus und Widerstand im Spannungsfeld deutscher Zweistaatlichkeit",
Bernd Faulenbach: "Die doppelte 'Vergangenheitsbewältigung'. Nationalsozialismus
und Stalinismus als Herausforderungen zeithistorischer Forschung und politischer
Kultur"
Leitfragen
(rtf)
Zusamenfassung des Theorieteils des
Münklertextes
(rtf)
3. Sitzung: 3. 5.2000: Wiederholungssitzung vom WS: Theorie des Kulturellen
Gedächtnisses/ Denkmalstheorie/ Psychologie
Experten: Jochen und Jan
Text: Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis,
München 1999, S. 15-48.
Hintergrund: Klaus Große-Kracht: "Gedächtnis und
Geschichte. Maurice Halbwachs - Pierre Nora" sowie diverse Texte
zu Denkmalstheorie und Psychologie aus dem WS 1999/2000, insbesondere die
vom 17.11.1999 und vom 19. 1.2000.
Schlüsselbegriffe aus Assmann zur Wiederholung
(rtf)
Zusammenfassung der wichtigsten Theorien aus
dem Wintersemester
(rtf)
4. Sitzung: 10. 5.2000: Theorie am Beispiel Frankreich: De Gaulle, Vichy
und nationale Identitätsbildung (Funktion, Nutzen)
Experten: Juliette und Arne
Text: Dietmar Hüser: "Vom schwierigen Umgang mit den "schwarzen
Jahren" in Frankreich - Vichy 1940-1944 und 1944/45-1995" und Henry
Rousso: Le syndrome de Vichy, S. 18-20, 89-92, 100-117.
Hintergrund: Eric Hobsbawm: The invention of tradition
(Einleitung) und Benedict Anderson, Imagined Communities
sowie Pierre Nora: Lieux de Mémoire
Leitfragen
(rtf)
5. Sitzung: 17. 5.2000: Der Holocaust als Gründungsmythos in Israel
und in Deutschland
Experten: Esther und Jan
Text: Moshe Zuckermann: Zweierlei Holocaust, S.170-180
sowie Tom Segev: Die siebte Million, Kap. II, III. VII (Referat)
Hintergrund: Moshe Zimmermann: "Israels Umgang mit dem Holocaust",
Yael Zerubavel: "The Historic, the Legendary and the Incredible: Invented
Tradition and Collective Memory in Israel", Barbara Schäfer (Hg.):
Historikerstreit in Israel. Die 'neuen' Historiker zwischen Wissenschaft
und Öffentlichkeit, Joan B. Wolf: "Anne Frank is dead, long live
Anne Frank. The Six-Day War and the Holocaust in French Public Discourse"
BLOCK 2:
Die Definition des kulturellen Gedächtnisses und der Kampf
um die
intellektuelle Hegemonie: Erinnerung als Politik
6. Sitzung: 24. 5.2000: Auschwitz als Bezugspunkt (west)deutscher nationaler
Identität: Zustand und Mittel der Erinnerungspolitik
Experten: Sylva, Nele
Text: Hans Mommsen: "Erinnerung und Selbstverständnis"
(Vortrag, abgedruckt in: Berliner Zeitung, 6./7. 2.1999)
Hintergrund: Peter Reichel: Politik mit der Erinnerung,
S. 11-31 und 209-216 und Ulrich Borsdorf/Heinrich Theodor Grütter
(Hg.): Orte der Erinnerung, S. 1-6, Alphons Silbermann und Manfred
Stoffers: Auschwitz: Nie davon gehört? Erinnern und Vergessen in
Deutschland, Michael Kohlstruck: Zwischen Erinnerung und Geschichte.
Der Nationalsozialismus und die jungen Deutschen, Dietmar Schiller:
Die inszenierte Erinnerung. Politische Gedenktage im öffentlich-rechtlichen
Fernsehen der Bundesrepublik Deutschland zwischen Medienereignis und Skandal,
Jürgen Danyel: "Unwirtliche Gegenden und abgelegene Orte? Der Nationalsozialismus
und die deutsche Teilung als Herausforderung einer Geschichte der deutschen
'Erinnerungsorte' ", Annegret Overbeck: "Die Entwicklung politischer Identität
in Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit", Hans-Jürgen
Wirth: "Von der Unfähigkeit zu trauern zur Wehrmachtsausstellung.
Stationen der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Auseinandersetzung"
Leitfragen
(rtf)
7. Sitzung: 31. 5.2000: Die Arbeit am nationalen Geschichtsbild und
Politikwissenschaftliche Theorie: agency, hegemony, interests, agenda
setting
Experten: Torsten und Jochen
Text: Jürgen Habermas: "Eine Art Schadensabwicklung. Die
apologetischen Tendenzen in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung" und
Hans Mommsen: "Suche nach der "verlorenen Geschichte"? Bemerkungen zum
historischen Selbstverständnis der Bundesrepublik"
Hintergrund: Thomas Herz und Michael Schwab-Trapp: Umkämpfte
Vergangenheit: Diskurse über den Nationalsozialismus seit 1945
Zum Vergleich: Edgar Wolfrum: "Zwischen Geschichtsschreibung
und Geschichtspolitik. Forschungen zu Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten
Weltkrieg" sowie die Sammelbände zu den einschlägigen
Debatten:
*Mahnmalsdebatte: Ute Heimbrod (Hg.): Der Denkmalstreit -
das Denkmal? Die Debatte um das
'Denkmal für die ermordeten Juden Europas'. Eine Dokumentation
*Wehrmachtsausstellung: Bernd Ulrich (Hg.): Eine Ausstellung
und ihre Folgen. Zur Rezeption der Ausstellung
'Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944',
Hannes Heer/Klaus Naumann (Hg.):
Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944 (Begleitband),
Hans Günther Thiele (Hg.): Die
Wehrmachtsausstellung. Dokumentation einer Kontroverse (BpB)
*Schwarzbuch des Kommunismus: Horst Möller (Hg.): Der
rote Holocaust und die Deutschen. Die Debatte
um das 'Schwarzbuch des Kommunismus'
*Walser-Bubis-Kontroverse: Frank Schirrmacher (Hg.): Die
Walser-Bubis-Debatte. Eine Dokumentation
*Goldhagen-Debatte: Julius H. Schoeps (Hg.): Ein Volk von
Mördern? Die Dokumentation zur Goldhagen
-Kontroverse um die Rolle der Deutschen im Holocaust, Johannes
Heil/Rainer Erb (Hg.): Geschichtswissenschaft und
Öffentlichkeit. Der Streit um Daniel J. Goldhagen
Leitfragen
(rtf)
9. Sitzung: 7. 6.2000: Strategien der "Vergangenheitsbewältigung"
im internationalen Vergleich (psychologische Funktion)
[zum 3. BLOCK]
Experten: Jan und Jochen
Texte: Agnes Blänsdorf: "Die Einordnung der NS-Zeit in
das Bild der eigenen Geschichte. Österreich, die DDR und die Bundesrepublik
Deutschland im Vergleich" und Helmut König/Michael Kohlstruck/Andreas
Woll: Vergangenheitsbewältigung am Ende des 20. Jahrhunderts,
"Einleitung" (Referat) sowie Micha Brumlik: "Gedenken in Deutschland"
(Referat) und Micha Brumlik: "Trauerrituale und politische
Kultur nach der Shoah in der Bundesrepublik" (Referat)
Hintergrund: Andreas Maislinger: "'Vegangenheitsbewältigung'
in der Bundesrepublik Deutschland, der DDR und Österreich. Psychologisch-pädagogische
Maßnahmen im Vergleich", Peter Schulz-Hageleit: "Die Kinder der Täter.
Vom Trauma des Jahres 1945 zur Wiedergewinnung einer humanen Lebensorientierung"
Definition "Vergangenheitsbewältigung" und
Lepsius "Politische Optionen"
(rtf)
Leitfragen
(rtf)
8. Sitzung: Fr, 9.6.2000: Die Arbeit am nationalen Geschichtsbild am
Beispiel: Besuch der Gedenkstätte deutscher Widerstand
14.00 Uhr: themenbezogene
Führung
15.30 Uhr: Diskussion mit
dem Leiter der Gedenkstätte, Dr. Johannes Tuchel
Text: Ulrich Heinemann/Michael Krüger Charlé: "Arbeit
am Mythos. Der 20. Juli 1944 in Publizistik und wissenschaftlicher Literatur
des Jubiläumsjahres 1994, Teil II" und Peter Steinbach: "Darf
der pluralistische Staat "Geschichtspolitik" betreiben? Zu einer Kontroverse
der jüngsten Vergangenheit"
Hintergrund: Peter Steinbach: "Postdiktatorische Geschichtspolitik.
Nationalsozialismus im deutschen Geschichtsbild nach 1945", Peter Reichel:
Politik mit der Erinnerung, S. 254-268, Günter Morsch: "Von
Denkmälern und Denkmalen. Von Gedenkstätten und Zeithistorischen
Museen", Bodo von Borris: "Präsentation und Rezeption von Geschichte
im Museum", Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des
Landes Brandenburg (Hg.) Brandenburgische Gedenkstätten für
die Verfolgten des NS-Regimes. Perspektiven, Kontroversen und internationale
Vergleiche
Zum Vergleich: Benjamin C. Brower: "The Preserving Machine.
The "New" Museum and Working through Trauma - The Musée Mémorial
pour la Paix of Caen"
Leitfragen
(rtf)
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14.6.2000: Vorbereitungssitzung für die Exkursion nach
Buchenwald
Bezug der einzelnen Programmpunkte zu
den PT-Sitzungen
(rtf)
Sa/So 17./18. 6.2000: Exkursion nach Buchenwald (auch als rtf)
Texte:
*Zum KZ Buchenwald: Sabine und Harry Stein: Buchenwald. Ein
Rundgang durch die Gedenkstätte, S. 5-51
*Zu Kapos und KP: Lutz Niethammer: "Die SED und die roten Kapos
von Buchenwald"
*Zum sowjetischen Speziallager 1945-1950: Bodo Ritscher: Spezlager
Nr. 2 Buchenwald, S. 38-47
*Zur Geschichte der Gedenkstätten in der DDR:
Volkhard Knigge: "Antifaschistischer Widerstand
und Holocaust"
*Zum Antifaschismus der DDR: Jürgen Danyel: "Die Opfer-
und Verfolgtenperspektive als Gründungskonsens?
Zum Umgang mit der Widerstandstradition und der Schuldfrage
in der DDR"
*Zum Streit um die Neugestaltung der Gedenkstätte nach 1989:
Hasko Zimmer: Der Buchenwald-Konflikt, S. 7-25
*Zur Nachbarschaft KZ Buchenwald und Weimar: Jens Schley: "Aspekte
einer Nachbarschaft. Die Stadt Weimar
und das Konzentrationslager Buchenwald (1937-1945)", S. 23-40.
Leitfragen zur Exkursion
(rtf)
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BLOCK 3:
"Vergangenheitsbewältigung" als psychologische Notwendigkeit
und
"Volkspädagogik" als moralischer Impetus der Nachkriegsgeneration:
Mittel der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit zwischen Staat
und Gesellschaft
Zusatzveranstaltung: Di, 20.6.2000, 18 Uhr [zum 2. BLOCK]
Diskussion mit Prof. Dr. Claus Leggewie (Gießen)
über "Erinnerungspolitik als Policy-Bereich"
Zur Vorbereitung: Website
des Gießener Projektes zur Erinnerungspolitk (SFB 434, Projekt
D7)
Sowie: Norbert Frei: Vergangenheitspolitik. Die Anfänge
der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit und
Helmut Dubiel: Niemand ist frei von der Geschichte. Die nationalsozialistische
Herrschaft in den Debatten des Deutschen Bundestages sowie Ute
Heimbrod (Hg.): Der Denkmalstreit - das Denkmal? Die Debatte um
das »Denkmal für die ermordeten Juden Europas«. Eine Dokumentation.
Programm des Kolloquiums
Leitfragen für die Diskussion
(rtf)
10. Sitzung: 21. 6.2000: Die Rolle der Wissenschaft: Zwischen Objektivitätsstreben,
Erinnerungspolitik und "Volkspädagogik"
Experte: Jochen
Text: Uwe Backes: "Die Reichstagsbrandkontroverse" und
Peter Steinbach: "Postdiktatorische Geschichtspolitik. Nationalsozialismus
im deutschen Geschichtsbild nach 1945" (Referat)
Hintergrund: Jürgen Schmädeke, Alexander Bahar
und Wilfried Kugel: "Der Reichstagsbrand in neuem Licht"
Zum Vergleich:
*Photostreit zur Wehrmachtsausstellung: Kriztan Ungváry:
"Echte Bilder - problematische Aussagen. Eine quantitative und
qualitative Analyse des Bildmaterials der Ausstellung "Vernichtungskrieg
- Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944"",
Dieter Schmidt-Neuhaus: "Die Tarnopol-Stellwand der Ausstellung
"Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht
1941-1944""
*Aufarbeitung der DDR-Geschichte: Mitchell G. Ash: "Geschichtswissenschaft,
Geschichtskultur und der ostdeutsche
Historikerstreit", Rainer Eckert (Hg.): Wer schreibt die
DDR-Geschichte?
*Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit in der Historikerzunft:
Winfried Schulze, Gerd Helm, Thomas Ott:
"Deutsche Historiker im Nationalsozialismus. Beobachtungen und
Überlegungen zu einer Debatte", Rüdiger Hohls/
Konrad Jarausch (Hg.): Versäumte Fragen. Deutsche Historiker
im Schatten des Nationalsozialismus
(Interviewprojekt),
Diverse Autoren in GWU: "Karl-Dietrich Erdmann und der NS"
*Rolle der Geschichtswissenschaft in der Gesellschaft: Clemens
Wischermann: "Geschichte als Wissen, Gedächtnis
oder Erinnerung? Bedeutsamkeit und Sinnlosigkeit in Vergangenheitskonzeptionen
der Wissenschaften vom Menschen"
Leitfragen
(rtf)
11. Sitzung: 28. 6.2000: Die Justiz zwischen Aufarbeitung der Vergangenheit
und verordneter Amnestie
Experte: Alexander
Text: Helge Grabitz: "Die Verfolgung von NS-Verbrechen in der
Bundesrepublik Deutschland, der DDR und Österreich" und Nancy
Wood: "Memory on Trial in Contemporary France" (Referat)
Hintergrund: Adalbert Rückerl: Die Strafverfolgung von
NS-Verbrechen 1945-1978. Eine Dokumentation, Norbert Frei (Hg.): Geschichte
vor Gericht: Historiker, Richter und die Suche nach Gerechtighkeit,
Bernhard Schlink: "Die Bewältigung von Vergangenheit durch Recht",
Christa Hoffmann: "Die justitielle "Vergangenheitsbewältigung" in
der Bundesrepublik Deutschland. Tatsachen und Legenden", Norbert Frei:
Vergangenheitspolitik, Petra Bock: "Vergangenheitspolitik in der
Revolution von 1989"
Zum Vergleich: Gary Smith/Avishai Margalit (Hg.): Amnestie
oder Die Politik der Erinnerung in der Demokratie, Petra Bock/Edgar
Wolfrum (Hg.): Umkämpfte Vergangenheit, Teil IV: Die globale
Dimension: Das Recht in der Geschichte
Leitfragen
(rtf)
12. Sitzung: 5. 7.2000: Geschichte von unten und vor Ort:
Geschichtswerkstätten und Denkmäler (80er Jahre und Entwicklung:
Zivilgesellschaftlicher Impuls und staatliche Übernahme)
Besuch der "Topographie des Terrors" und des Vereins "Aktives
Museum"
Diskussion mit Dr. Stefanie Endlich und Frank Dingel
Text: Frank Dingel: "Das Prinz-Albrecht-Gelände: Ein Ort
deutscher Geschichte" oder Peter Reichel: Politik mit der Erinnerung,
S. 165-171
Hintergrund: Reinhard Rürup (Hg.): Topographie
des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt auf dem "Prinz-Albrecht-Gelände".
Eine Dokumentation, Stefanie Endlich/Florian Buttlar: "Über die
Schwierigkeit, sich der NS-Geschichte durch Kunst zu nähern" sowie
Gisela Wenzel: "Die Berliner Geschichtswerkstatt - ein Erfahrungsbericht",
"Ein kräftiger Schub für die Vergangenheit. SPIEGEL-Report über
die neue Geschichtsbewegung", Hannes Heer/Volker Ullrich (Hg.): Geschichte
entdecken. Erfahrungen und Projekte der neuen Geschichtsbewegung, Alfred
Georg Frei: "Geschichtswerkstätten als Zukunftswerkstätten. Ein
Plädoyer für aufklärerische Geschichtsarbeit", "Selbstverständnispapier
der Geschichtswerkstatt e.V.", Debatten in der Zeitschrift Geschichtswerkstatt,
Berliner Geschichtswerkstatt (Hg.): Alltagskultur, Subjektivität
und Geschichte. Zur Theorie und Praxis von Alltagsgeschichte
Leitfragen
(rtf)
13. Sitzung: 12. 7. 2000: Lehrer, Lehrplan und Lehrmittel: Die Schule
zwischen 68 und der Post-Nachkriegszeit
Expertin: Melisa
Text: Falk Pingel: "Nationalsozialismus und Holocaust in westdeutschen
Schulbüchern" oder Friedemann Neuhaus: Geschichte
im Umbruch, S. 9-20
Hintergrund: Albrecht Lohrbächer et al. (Hg.): Schoa,
Teil II: "Steine reden - Steine schreien. Erinnern und Gedenken als Aufgabe
im Unterricht und in der außerschulischen Bildung" sowie
*Schulbücher: Joachim Rohlfes: "Neue Akzente der deutschen
Geschichte seit 1945 in unseren Schulbüchern?"
*Lehrpläne: GWU 9/48 (1997): "Schwerpunkt Geschichtslehrpläne"
*Neue Medien: GWU 1/49 (1998): "Schwerpunkt: Computer und Internet",
Hartmann Wunderer: "Computer im
Geschichtsunterricht. Neue Chancen für historisches Lernen
in der Informationsgesellschaft?" Peter Wolf: "Der Traum
von der Zeitreise. Spielerische Simulationen mit Hilfe des Computers",
Gudrun Gersmann: "Neue Medien und
Geschichtswissenschaft. Ein Zwischenbericht"
Leitfragen
(rtf)
Noch mehr Fragen
(rtf)
14. Sitzung: 19.7.2000: Schlußdiskussion: Die Zukunft der Erinnerung
und Herausforderungen an die Erinnerungspolitik: Interkulturalität,
Internationalisierung und der Generationenwechsel sowie die Aufgabe Europa
Experte: Jochen
Text: Rudolf Speth: "Europäische Geschichtsbilder heute"
und Viola Georgi: " Migrantenjugendliche und NS-Geschichte" (Referat)
Hintergrund:
*Formen der Erinnerung: Generationenproblem und Pädagogik:
Detlef Garbe: "Gedenkstätten: Orte der
Erinnerung und die zunehmende Distanz zum Nationalsozialismus",
Lutz Niethammer: "Der Schlussstein soll ein
Grundstein werden. Wozu nützt der Zukunftsfonds?
Nicht alle guten Absichten der heutigen Erinnerungs-
kultur führen auf gute Ideen", Praxis der Gedenkstättenpädagogik.
Erfahrungen und Perspektiven
*Europäische Geschichtsbilder: Website des Projekttutoriums
"Das ideelle Konstrukt
Nation & die Erfindung Europa"
(WS/SS 1999/2000 an der FU) sowie ein zusammenfassender
Text des PT (auch als rtf)
Leitfragen
(rtf)