Humboldt-Universität
zu Berlin | Seminar für Afrikawissenschaften |
TU:
Wissenschaftliche Arbeiten im Fach der Afrikawissenschaften
Vincent Ovaert (vincent.ovaert@rz.hu-berlin.de)
Sie kennen alle die Situation:
Ein kluger Mensch sitzt hinter einem Tisch und liest mit monotoner Stimme,
rasend schnell kluge Sätze vor, einem nach dem andern, den Blick starr auf das
Manuskript gerichtet. Die Sätze winden sich, fremde Namen und Begriffe blitzen
kurz auf, werden aber nicht erläutert. Unerbittlich geht es weiter, immer
weiter, immer weiter....
Präsentationen und Referate sind Formen des
öffentlichen Redens. Deshalb genügt es nicht, das Richtige zu sagen, sondern
Sie sollten das Richtige auch richtig sagen. Denn es geht darum, die
Aufmerksamkeit der Zuhörendem und ihre Zustimmung zu gewinnen. (oder ihren
Widerspruch zu wecken). Seminare und Übungen sind Orte, wo Sie das üben können.
Folgende Hinweise und Bewertungskriterien können Ihnen dabei helfen.
An die Zuhörerlinnen und Zuhörer denken:
sich auf die Studentinnen und Studenten einstellen und Sie motivieren. Der erste Schritt zum guten Referat: überlegen Sie sich:
§ Wer sollte zu den Referat kommen?
· Warum sollte jemand kommen?
· Was ist an meinem Thema interessant?
· Was biete ich Neues?
· Worin besteht der Vorzug meines Referats gegenüber einem gedruckten Text

Möglicher Aufbau eines Referates:
1. kurze Einführung
-Formulieren und Begründung der Fragestellung(en), die im Referat erörtert wird (welcher Frage wird nachgegangen, warum ist es wichtig, interessant, diese Fragestellung zu untersuchen?)
-gegebenenfalls Benennen der Studien, auf die sich im Vortrag bezogen wird
2. Hauptteil
-Auseinandersetzung mit den eingangs aufgeworfenen Fragen - gegebenenfalls am Beispiel eines literarischen Textes in Form einer zielgerichteten Interpretation -Zuspitzung der Ausführungen auf Thesen (siehe Thesenpapier). Die Kerngedanken der Argumentation, die im Zuge der Beantwortung dieser Frage(n) entwickelt wird, sind „komprimiert" und „zugespitzt" zu formulieren. „In der Kürze liegt die Würze!"
3. kurze Schlußbemerkungen
-Zusammenfassung der Argumentation und/oder Ausblick: z.B. Aufwerfen von Fragestellungen,
die im Rahmen des Seminars auch diskutiert werden könnten
Was zuletzt gesagt wird, wirkt am längsten nach! :
- Zusammenfassung des Hauptgedankens
- mit einer Schlussfolgerung abrunden
- Ausblick auf die Zukunft
- ein einprägsames Bild
- Ein Leitgedanke
Graphiken und Bilder müssen rechzeitig vorbereitet werden: Overhead- Folien erfolgreich zu gestalten gelingt "in letzter" Sekunde meistens nicht. Sie können auch versuchen Ihre Ideen/ Thesen zu visualisieren, um sie deutlicher zu machen (siehe Mind- Mapping).
Durch den Einsatz von Medien
- werden komplizierte Sachverhalte vereinfacht
- werden komplexe Zusammenhänge veranschaulicht
- können umfangreiche Informationen komprimiert werden
- wird die Wirkung der Argumente verstärkt
- wird der Lernprozess erleichtert und unterstützt
- wird das freie Reden erleichtert
- werden die Teilnehmer aktiviert
a) Das Handout
- erleichtert es, sich auf das Referat zu konzentrieren und die einzelnen Schritte zu folgen
- entlastet vom Mitschreiben
- gibt die Möglichkeit zum Nachlesen
Aufbau: eine bis maximal drei Seiten mit
- den wichtigsten Definitionen und Begriffen
- Namen, Zahlen, Daten, Formeln
- Literaturhinweisen
Das Handout sollte:
- alle notwendigen Angaben enthalten (wer referiert was in welchen Zusammenhang)
- kurz knapp und übersichtlich sein
- dem Aufbau des Referats folgen
- Raum für Notizen lassen
b) Folien/ Overhead-Projektor
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Vorteile: - Blickkontakt zum Publikum bleibt erhalten - relativ preiswert - einfach herzustellen (PC oder per Hand) - lassen sich gut vorbereiten - Overhead-Projektor steht in fast jedem Raum - sind (für die Zuhörer) kopierbar - ermöglichen es problemlos Tabellen, Grafiken, Flussdiagramme, usw. miteinzubinden - können mehrmals verwendet werden |
Nachteile: - Projektionsfläche muss vorhanden sein - Man steht leicht vor dem Bild - Gefahr, von der Folie abzulesen und das Publikum nicht mehr anzublicken - Gefahr, Folien zu schnell aufzulegen - Gefahr, zu viel Info auf eine Folie zu packen |
Wichtigste Regeln:
- 7 +/- 2 Stichpunkte pro Folie
- max. 3 Farben
- min. Schriftgröße 16 ( bis zu 10 Metern)
- leserlich schreiben
- nicht nur GROSSBUCHSTABEN verwenden
- nicht mit Folien bombardieren
- dem Zuhörern Zeit geben, die Folie zu lesen
- nicht vor dem Projektor stehen (sondern seitlich hinter dem Projektor)
- die Information auf der Folie und nicht auf der Projektionsfläche zeigen
- gegliederte Textinformation (durch Punkte, Striche, Zahlen, Pfeile...)
- nie vergessen: weniger ist oft mehr nicht zu viel ! (max. 60% der Folie)
- jede Folie kurz „wirken“ lassen (2-3 Sek.), bevor auf sie eingegangen wird
- vergessen Sie nicht den Projektor auszuschalten wenn Sie damit fertig sind.
c) Flipchart (im IAAW nicht vorhanden)
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Vorteile: - kann überall aufgestellt werden - Blätter können vorbereitet werden - Zurückblättern ist möglich - einfach zu handhaben - Blätter können später aufgehängt werden - Einsatz mehrerer Flipcharts gut für Pro und Kontra - Guter Stichwortgeber bei Vorträgen |
Nachteile: - Fläche nur im Hochformat - Flipchartblätter sind kostenintensiv + umweltunfreundlich - Referent dreht beim schreiben den Zuhörern den Rücken zu - nicht geeignet für großen Zuhörerkreis |
Wichtigste Regeln:
- immer zu den Zuhörern sprechen (aufhören zu reden, wenn sie etwas auf das Papier schreiben)
- auf die Gestaltung achten: nicht das Infos untergehen
- Aufteilung des Blattes vorher überlegen
- Abbildungen und Bilder mindestens in DIN-A-4 Format
- Gut lesbare Handschrift!
- Blätter, deren Inhalt behandelt ist, umschlagen und nicht abreißen
d) Die Tafel
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Vorteile: - einfach zu handhaben - steht in jedem Raum - funktioniert immer - große Schreibfläche - ist magnetisch (man kann mit Magneten arbeiten und andere Dinge befestigen) - Farbkreide einsetzbar - Zuhörer kann aktiv mitgestalten - umweltfreundlich - man kann gut Neues entwickeln - gut für beständige Infos |
Nachteile: - Zurückblättern nicht möglich - nicht transportabel - man kann (sollte) erst schreiben und dann reden zeitaufwendig - beim Anschreiben dreht der Redner den Zuhörern den Rücken zu - schöne Schrift ist schwer - man muss immer einen Lappen dabei haben - Kreide an den Fingern und Kleidung |
Wichtige Regeln:
- bereits zu Hause das Tafelbild entwerfen, damit das Seminar gelingt
- erst schreiben, dann reden!
- auf keinen Fall längere Zeit damit beschäftigt sein, etwas zu zeichnen oder zu notieren, da sonst längere Schweigeminuten entstehen
- vor dem Referat dafür sorgen, dass genügend Kreide und ein Wischlappen bzw. Filzstift/ Tuch zur Verfügung stehen
Wollen Sie eine Power- Point Präsentation vorführen, so sollen Sie den Beamer rechtzeitig bestellen. Ähnlich mit dem Diaprojektor oder die Video-Anlage. Auch hier gibt es Vor- und Nachteile.
Es ist nicht leicht, ein Argument kurz und allgemein verständlich darzustellen. Zudem müssen Sie sich in der Referatsgruppe aufeinander abstimmen. Deshalb folgenden Rat:
• Gliedern Sie das Referat eindeutig und teilen es unter den Referierenden auf.
• Üben Sie Ihren Teil des Vortrags, erst mit Uhr, dann mit einem lebendigen „Versuchsobjekt". Auch bei größeren Referatsgruppen sollten die einzelnen Teile in sich selber verständlich sein.
• Das Referat wird frei bzw. mit Hilfe von Notizen gehalten und nicht abgelesen. Auch hierbei hilft nur üben. (Conferenciers benützen oft kleine Karteien mit Stichpunkte) . Entspannen Sie sich und zeigen Sie 'Autorität' und 'Begeisterung', es hilft gegen 'Lampenfieber'. Sprechen Sie möglichst laut und deutlich, verlangen Sie Ruhe und Aufmerksamkeit, ggf. warten Sie bis die Ruhestörer /Schwätzer fertig sind.
Versuchen Sie 15min vor Sitzungsbeginn da zu sein. Sie können dann checken ob die Technik funktioniert und Kleinigkeiten regeln (Board- Marker, Glas Wasser, Muntermacher, Blätter einordnen, WC). Vermeiden Sie jegliche Hektik, Sie würden dann möglicherweise den Faden verlieren.
a) weitere „kleine Unglücke“: was tun wenn...?
• rot werden:
akzeptieren und nicht zu ernst nehmen, damit verringert sich das Problem
deutlich. Einen Freund oder Freundin fragen, denn oft täuscht der Eindruck und
die Zuhörer haben es gar nicht bemerkt.
• zu leise reden:
dagegen gibt es nur ein Mittel: üben (vor dem Spiegel oder sogar aufnehmen)!
• Dialekt sprechen:
ein Dialekt stört nur dann, wenn er die Verständlichkeit beeinträchtigt (dann
bemühen deutlicher + hochdeutsch zu sprechen), ansonsten wirkt eine
Dialektfärbung sympathisch.
• ein Satz verunglückt:
Niemand spricht fehlerfrei, deshalb sind kleine Verstöße gegen die Grammatik
kein Drama, sofern noch problemlos zu verstehen ist, was gemeint ist... also
einfach weitersprechen. Das entsprechende Wort kann auch (ohne Entschuldigung)
verbessert werden. Wenn mit dem Satz gar nicht mehr klargekommen wird, kann er
auch abgebrochen- und von vorne angefangen werden. Bsp.: - Ich möchte es besser
formulieren - Ich beginne den Satz noch mal neu - Präziser ausgedrückt... -
Genauer gesagt... Aber am besten ist
es, solche unangenehmen Situationen vorzubeugen, indem kurze und klare Sätze
formuliert werden.
• sich versprechen:
Über kleine Versprecher, die den Sinn der Aussage nicht entstellen, sollte
einfach hinweggegangen werden. Sollte der Versprecher doch den Sinn der Rede
durcheinanderbringen, korrigieren Sie sich ohne Entschuldigung: „ Ich meine
natürlich nicht soziologisch, sondern psychologisch“
• das treffende Wort fehlt:
Typische Erscheinung bei freien reden! Am besten ist es in solchen Fällen, das
Referat mit einer Umschreibung oder einem anderen treffenden Begriff
fortzusetzen. Sollte dies nicht gelingen, stellt sich meistens als erfolgreich
heraus, das Publikum mit einzubeziehen und offen zu fragen: „ Mir fehlt der
treffende Begriff“ oder eleganter „ Wie kann ich es treffend formulieren?“ Das
Publikum wird aktiviert und der Redner verschafft sich eine kleine Denkpause.
• den roten Faden verlieren:
auf jeden fall ruhig bleiben, denn meistens merkt das Publikum nichts, da sie
den wirklichen und exakten Verlauf der rede nicht kennen. Am besten eine kleine
Pause machen und im Manuskript, bzw. auf den Stichwortkarten nachschauen. Eine
weitere Möglichkeit, den Anschluß zu finden, sind (Zwischen-) Zusammenfassungen
oder Wiederholungen dessen, was zuletzt gesagt wurde „ Ich möchte diesen Punkt
zusammenfassen“ „ Ich wiederhole kurz...“ „ Ich möchte noch einmal betonen...“
• etwas wichtiges vergessen:
Falls das Vergessene sehr wichtig für das Thema / Argumentation ist, dann kann
dies bei der passenden Gelegenheit ergänzt werden „ Ein wichtiger Gesichtspunkt
fehlt noch...“ „ In diesem Zusammenhang ist zu ergänzen...“ „ Dabei ist allerdings zu berücksichtigen,
und das habe ich bisher noch nicht getan, dass...“ Ansonsten muss das Weggelassene auch nicht aufgegriffen werden
(denn das Publikum weiß (wie gesagt) nicht, was der Redner alles vorhatte zu
sagen!).
b) Die Teilnehmertypen (Extremsituationen!)
- der/die Streitsüchtige: macht einen Diskussionsbeitrag aus einer Umkehrung der Worte des Redners.
Nicht aus der Ruhe bringen lassen und die anderen mit ins Gespräch einbeziehen, damit nicht nur sie/er alleine redet. Nicht sofort reagieren, sondern erst in Ruhe nachdenken und dann antworten.
- der/die Positive: große Hilfe bei Diskussionen. Häufig mit einbeziehen
- der/die Alleswisser: kann und weiß alles besser. Die anderen Teilnehmer sollen sich mit seinen/ihren Theorien beschäftigen. Am besten keine Opposition.
- der/die Geschwätzige: redet viel und lang. Schweift leicht vom Thema ab taktvoll unterbrechen und die Redezeit begrenzen. Selber das gesagte „auf den Punkt“ bringen
- der/die Schüchterne: traut sich nicht, mitzumachen und seine/ihre Meinung offen zu äußern leichte Fragen stellen und ihn ermuntern mitzuarbeiten. Nicht totreden! Nicht zwingen
- die/der Widerspenstige: lehnt jeden Vorschlag/ jede Idee ab und „findet alles doof und primitiv“. beim Ehrgeiz packen und auf ihr/sein Wissen und die Erfahrung anspielen + gebrauch davon machen
- die/der Dickfällige: hat (ihrer/seiner Meinung nach) viel mehr Erfahrung und Wissen als alle anderen. nach ihrer/seiner Tätigkeit fragen und sie/ihn loben
- der/die Überhebliche: er/sie steht immer über den Dingen. „Von oben herab“ nicht kritisieren, lieber: „Ja, aber...“- Methode
- die/der listige Frager: eine Frage wird vorweg als leicht dargestellt, wer sie nicht beantwortet erscheint dumm. Sie/Er versucht den Redner hereinzulegen. Erst überlegen und dann darauf eingehen. Die Frage an das Publikum weitergeben. Gegenfragen
c) Zwischenfragen
Der Redner sollte sich von Anfang an überlegen, ob bei seinem Referat Zwischenfragen erwünscht werden oder nicht, und dies gleich am Anfang des Referates mitteilen. Sollten Zwischenfragen nicht erwünscht sein, sollte man den Zuhörern vorschlagen, dass sie ihre Fragen aufschreiben (damit diese nicht vergessen werden) und am Ende des Referates stellen. Wenn Zwischenfragen zugelassen werden, sollte der Referent:
- Zeit dafür einplanen
- aufpassen, dass diese Zeit eingehalten wird und somit noch genügend für das restliche Referat bleibt
- aufpassen, dass keine Diskussion entsteht
- dafür sorgen ,dass nicht vom Thema abgekommen wird
d) Lampenfieber und Übungen
Das Herz schlägt höher, der Blutdruck steigt, im Magen stellt sich ein „faules“ Gefühl ein, die Atemwege werden trocken, Schweiß bricht aus...
Diese und weitere körperliche Reaktionen vor dem öffentlichen Auftreten oder Referieren, auch Lampenfieber genannt sind die normalen Anzeichen für Stress und sollte auch als solche hingenommen werden... man kann auch nicht verlangen, dass man sich in einer solchen Situation automatisch wohlfühlt! Lampenfieber kann aber durch Übung, Erfahrung und einer guten Vorbereitung deutlich vermindert werden:
Nervosität und Angst vermindern sich:
· indem Sie keine überhöhten Anforderungen an sich selbst stellen, sondern sich kleine, bewältigbare Ziele setzen; was nicht beim ersten Mal klappt, wird beim nächstem mal besser sein.
· Sich intensiv vorbereiten durch einen guten Leitfaden und eine oder mehrere Generalproben!!!
· Sich nicht bis zur letzten Minute vorzubereiten, sondern zumindest die letzte Stunde vor dem Vortrag versuchen, sich zu entspannen.
· Zu Beginn des Vortrages bewusst eine offene Körperhaltung und einen freundlichen Gesichtsausdruck annehmen, den Blick durch das Publikum schweifen lassen und dabei ruhig und gleichmäßig atmen vermeiden Sie es, in den Vortrag reinzustolpern!
· Die einleitenden Worte sorgfältig vorbereiten, um sich so ein sicheres „Sprungbrett“ zu schaffen.
· Betrachten Sie die Zuhörer als Freunde und suchen Sie sich einen Bezugspunkt im Publikum, damit Sie nicht mit der Wand reden.
...und viel Glück noch